Schibi, Schibo – wem soll die Schiebi go? Funkensonntag und Scheibenschlagen am Bodensee

Den Abschluss der schwäbisch-alemannischen Fastnacht bildet das Abbrennen des Funken. Das Funkenfeuer ist ein uralter Feuerbrauch, das Scheibenschlagen ist seit 1090 urkundlich bekannt da hier eine glühende Scheibe ein Nebengebäude des Klosters Lorch in Brand gesetzt hat.

Der Funkensonntag ist der erste Sonntag nach dem Aschermittwoch. Schon am Vortag wird der Funken aufgebaut und in der Nacht wird er von der „Funkenwache“ bewacht. Denn es ist ein beliebter Brauch zu versuchen, den Funken der Nachbargemeinde vorab anzustecken. Inzwischen ist dies, aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung, strafbar. Trotzdem kommt es auch heute immer wieder vor.

Für das Scheibenschlagen werden vom Verein Scheiben vorbereitet, die meist aus Buchenholz sind. Das sind dünne Abschnitte von einem Stamm mit einem Loch in der Mitte. Das Scheibenschlagen selbst ist in der Regel den unverheirateten jungen Männern bzw. Knaben vorbehalten. Dazu suchen diese sich schon am Vortrag einen guten, langen Stock von einem Haselnussstrauch und spitzen diesen an. Die Scheibe wird am Stock aufgespießt und im Funkenfeuer erhitzt bis sie glüht. Dann geht es mit der Scheibe zur Rampe – einer einfachen Konstruktion aus Holz, die als Abschussrampe dient.

Über diese wird die glühende Holzscheibe talwärts geschleudert. Dazu gibt es dann in der Regel einen kleinen Vers. Der Vers kann allgemein gehalten oder an die „heimliche“ Liebe gerichtet sein.

Wer um die Fastnachtszeit am Bodensee ist, sollte diesen Brauch nicht verpassen. Die Funken werden um 19 Uhr gezündet. Folgende Orte am Bodensee haben u.a. ein Funkenfeuer: Überlingen-Aufkirch, Überlingen-Hödingen, Überlingen-Bambergen, Litzelstetten, Uhldingen-Mühlhofen, Daisendorf, Frickingen, Heiligenberg, Meersburg, Owingen, Salem, Stetten, Markdorf, Deggenhausertal, Bermatingen, Fischbach, Kluftern, Immenstaad, Meckenbeuren, Eriskirch, Tettnang, Kressbronn, Langenargen.

Seit 2015 gehört das Scheibenschlagen zum Immaterialen Kulturerbe in Österreich.