Heute vor 56 Jahren – die Seegfrörne am Bodensee

Jetzt, Anfang Februar vor 56 Jahren, gab es die letzte Seegfrörne am Bodensee. „Seegfrörne“ wird es am Bodensee genannt, wenn der Bodensee komplett zugefroren ist. Zuletzt gab es das 1963.

Die erste Seegfrörne wird auf das Jahr 875 angenommen. Überlieferte oder dokumentierte Seegfrörnen gab es vor allem im Mittelalter – im 15. und 16 Jhd. Im letzten Jahrhundert gab es eben nur die eine 1963 und im 19. Jahrhundert gab es zwei Seegfrörnen (1830 und 1880).

Die Voraussetzung für eine Seegfrörne ist ein vorausgegangener eher kühler Sommer, ein früh einsetzender Winter mit Temperaturen unter Null Grad bereits im November. Wenn der kalte Wind aus dem Osten dann länger anhält, dann könnte der Bodensee Anfang Februar komplett zufrieren. Schon die Vergangenheit zeigt, dass dies ein sehr seltenes Ereignis ist.

Vielleicht auch wegen dieser Besonderheit feiern die Hagnauer (DE) und die Münsterlinger (CH) die Seegfrörne seit 1573 mit einer Prozession, bei der das Bild des Heiligen Johannes von einem Seeufer zum anderen gebracht wird. Zuletzt eben 1963. Und seitdem steht die Büste im schweizerischen Kloster Münsterlingen. Ob sie noch einmal das Ufer wechseln wird?

Seit den letzten 50 Jahren erwärmt sich das Klima auch am Bodensee. Längere, wärmere Sommer, weniger Niederschlag, relativ warme Winter. Noch in den 70ern des letzten Jahrhunderts war Schlittschuh laufen auf dem Gnadensee im Winter selbstverständlich. Inzwischen ist es eher selten geworden. Zuletzt gab es Ende Januar 2017 Eis auf dem Gnadensee.

Sicher, der Tourismus freut sich über warme Temperaturen und wenig Niederschlag in der Saison. Doch das Wetter bzw. Klima ist kein Wunschkonzert. Wir müssen es nehmen wie es ist bzw. nehmen, wie wir es beeinflussen. Dass der Mensch Einfluss auf das Klima nimmt, ist unumstritten.

Sommer, wie der letzte 2018, mit Temperaturen über längere Zeit ständig über 30 Grad, kaum Niederschlag; Winter, die zwar etwas Schnee aber keine dauerhaft kalten Temperaturen bringen, machen mir eher Angst. Eine anhaltende Kälte im Winter ist in vielerlei Hinsicht gut: Sie tötet manches Ungeziefer wie Zecken oder den Borkenkäfer. Auch Landwirte freuen sich darüber da dann die Scholle richtig durchgefroren ist und fein krümelig beim Pflügen zerbricht.

Abgesehen davon ist es ein tolles Erlebnis, auf dem zugefrorenen Bodensee spazieren zu gehen.

Ein Gedanke zu „Heute vor 56 Jahren – die Seegfrörne am Bodensee

  • 12. Februar 2019 um 20:54
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    Ich war zu dieser Zeit in FN👍

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