Ein Tag Müll sammeln

Wir hatten schon vor einigen Wochen über das Projekt „AroundTheBodenseeCleanUp“ berichtet. Plastik und Mikroplastik sind derzeit „das“ Thema. In den Weltmeeren gibt es Strudel, in denen sich Unmengen von Plastik sammeln. Zahlreiche Strände am Meer sind vom Plastikmüll verdreckt. Doch Plastik findet sich nicht nur im Meer. Auch der Bodensee leidet unter dem mangelnden Bewusstsein vieler mit dem Umgang von Plastik bzw. Kunststoffmüll. Letztendlich landet das Plastik über die Nahrungskette im menschlichen Körper. Das wurde jetzt auch über eine Studie nachgewiesen.

Neben Plastik gibt es auch viel anderen Müll, der einfach im Bodensee entsorgt wird. Am 30. September startete das Projekt „AroundTheBodenseeCleanUp“ in Eschenz am Bodensee. In den vergangenen 30 Tagen ging es rund um den Bodensee. Zuerst Richtung Osten am Schweizer Bodenseeufer entlang bis nach Österreich und schließlich an das deutsche Ufer.

Bei den bisherigen Aktionen haben sich bisher rund 800 Menschen mit engagiert. Etwa 600 davon waren Schüler. Es ist gut, dass auch Schulen sich hier mit engagieren. Denn das Ziel ist nicht primär den Bodensee vom Müll zu befreien – das Ziel ist vielmehr, die Menschen für die Problematik zu sensibilisieren. Und das wirkt natürlich am nachhaltigsten bei jungen Menschen, die diese Botschaft mit in das Leben nehmen.

Wir von MEIN BODENSEE haben an der Aktion heute in Sipplingen teilgenommen. Es ist unglaublich, mit welcher Energie die Initiatorin Noemi Solombrino das Projekt verfolgt. Jeden Tag startet die Aktion um 8.30 Uhr und geht dann bis gegen die Mittagszeit. Am Nachmittag wird entweder am gleichen oder einen anderem Ort weiter gesammelt. Und das bei jedem Wetter – heute hatte es um die Mittagszeit sogar kurzfristig geschneit. Dabei kamen bisher rund 10.000 Liter Müll zusammen.
Am Nachmittag trafen wir uns mit Noemi und Iwan vom Team in Sipplingen. Sie beide waren überrascht von der Sauberkeit hier, da hatten sie von anderen Stellen des Bodensees schlechtere Eindrücke mitgenommen. Trotzdem: Auch hier findet sich Müll. Ich bekam einen Sack und Handschuhe und dann ging es los. Meine besonderen Funde: Eine Unterhose, eine Karte von einem Luftballon (ein Kommentar dazu am Ende), einige Glas- und PET-Flaschen, eine Schwimmbrille, ein Freundschaftsband und natürlich viel Kleinzeug aus Plastik (z.B. Wattestäbchen).

Besonders schockierend für uns war ein in hunderte Teile zerbrochener Spiegel am Badesteg in Sipplingen. Jetzt, durch das Niedrigwasser konnten wir die Splitter gut sammeln. Doch was wäre gewesen, wenn wir nicht gekommen wären, um diesen Müll zu sammeln. Im nächsten Jahr, in der Badesaison, wären wahrscheinlich Kinder hier ins Wasser gelaufen und hätten sich übelste Schnittwunden geholt. Die Dummheit der Menschheit scheint wirklich grenzenlos zu sein….

Wir sehen dies oft als Kleinigkeiten – doch genau diese Kleinigkeiten summieren sich. Jeder von uns muss einen Beitrag leisten. Der erste Beitrag ist: MÜLL GEHÖRT NICHT EINFACH IN DIE UMWELT. Müll gehört fachgerecht entsorgt. Im zweiten Step kann und sollte sich jeder Gedanken darüber machen, Müll zu vermeiden.

Luftballon

Ja, bei fast jeder Hochzeit, Firmen-Event, Geburtstagsfeier immer wieder beliebt: Der mit Helium gefüllte Luftballon der mit einer Karte in die Luft steigt. Irgendwie schön aber wo landet der Müll? Letztendlich ist es Müll – die Karte, die Schnur, der Ballon. Plastik/Kunststoff. Und auch der „umweltfreundliche“ Ballon aus Naturkautschuk ist keine Lösung.  Naturkautschuk zerfällt ebenfalls extrem langsam und ist in dieser Zeit eine Gefahr für Fische und Wasservögel. Und wenn dann noch die Schnur aus Kunststoff ist, ist überhaupt nichts gewonnen.

image_pdfimage_print