Zu Gast in der Brasserie Colette Tim Raue in Konstanz Der 2-Sterne Koch am Bodensee

Seit gut einem Jahr ist der aus Berlin stammende, und mit zwei Michelin Sternen ausgezeichnete „Star Koch“ Tim Raue, auch am Bodensee vertreten.

Wie in Berlin und München ist die Brasserie an die „Tertianum Premium Residences“ angeschlossen und soll so für die Bewohner der Residenz ein Bindeglied nach außen sein. Gleichzeitig gibt das der Küche eine gewisse Auslastung, weil auch für die Residenz gekocht wird.

Brasserie Colette Tim Raue

Die Brasserie Colette Tim Raue in Konstanz befindet sich in der Brotlaube, in unmittelbarer Nähe zur Marktstätte. Mit einigen Kollegen waren wir eingeladen, die Brasserie kennenzulernen.

Ich hatte von der Eröffnung in Konstanz zwar schon gehört, aber bisher auch keine Zeit für einen Besuch. So habe ich mich jetzt im Vorfeld auch etwas durch die Bewertungen und Kommentare gelesen. Ich muss jetzt dazu sagen, auch wenn ich die französische Küche liebe, bin ich sonst nicht so der Edel-Restaurant-Besucher.

Von allen drei „Colette“ Lokalen ist Konstanz mit etwa 80 Sitzplätzen das größte. Etwas ungünstig ist die Lage im ersten Obergeschoss, dadurch fällt die Brasserie von der Straße nicht so auf. Nach dem Eingang öffnet sich dem Besucher jedoch eine großzügige Eingangshalle und eine breite Wendeltreppe führt in das Lokal.

Die Einrichtung ist eher dunkel aber sehr edel gehalten. Sehr schön ist die Terrasse mit etwa 20 Sitzplätzen.

Brasserie Colette Tim Raue

Begrüsst wurden wir mit einem frischen Crémant. Die kulinarische Reise durch das Angebot des Colette startete mit Austern. Für mich als Liebhaber von Fischgerichten, und insbesondere Meeresfisch, ein leckerer Auftakt. Daneben gab es eine Dorade mit Senf & Zitrone. Auch die war sehr fein.

Nach dem Auftakt aus dem Meer folgten ein Rindertatar mit Entenlebereis von der Stopfente und Garnele Marocain. Das war ein Moment, wo ich das erste Mal schlucken musste. Ich bin kein Vegetarier, ich esse gerne Fleisch. Aber jeder weiß inzwischen, wie barbarisch die Erzeugung von Stopfente und Stopfgänsen stattfindet. Bei aller Liebe zur Haute Cuisine gibt es für mich Grenzen. Aber bei Raue stehen auch Froschschenkel auf der Karte…. Da ist mir ein gutes Fleisch von einer glücklich aufgewachsenen Gans oder Kalb um einiges lieber.

Gewagte Gewürze

Eine Explosion für den Gaumen waren die Garnelen Marocain. Obwohl sich die Brasserien der französischen Küche verschrieben haben, wurde hier mit Erdnuss, Litschi, Koriander und anderen marokanischen Gewürzen experimentiert – was sehr gelungen ist.

Als nächstes folgten Zitronenhuhn mit wildem Brokkoli und Blutwurst mit Birne, Bohne und Speck. Das Zitronenhuhn war leider nicht ganz gar. Der Service meinte, dass das durchaus so gehen würde.. Naja, die Landesämter für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit sehen das etwas anders. Da ich generell kein Freund von Blutwurst bin, möchte ich mich zur Blutwurst nicht äußern. Etwas enttäuscht war ich vom wilden Brokkoli. Dieser war wohl nur einmal kurz durch das kochende Salzwasser gezogen. Überhaupt waren die Gerichte, die eigentlich warm sein sollten, gerade einmal lauwarm.

Zum Abschluss wurden uns eine Cremé Brûlée, Tarte Tatin und Pfirsisch Melba serviert. Die Karamellschicht der Cremé Brûlée hätte etwas knackiger sein dürfen – ich mag das „knack“ wenn man mit dem Löffel in die Cremé sticht und kenne die „gute“ Cremé Brûlée aus Frankreich sehr gut. Sehr lecker war das Pfirsisch Melba – besonders gehaltvoll das Pistazieneis.

Zum Service:

„Brasserie“ ist ein Begriff, der aus dem französischen stammt und weniger formelle Restaurants beschreibt. Dies in Kombination mit einer 2-Sterne Küche ist sicher ein Experiment. Grundsätzlich würde ich persönlich ein solches Konzept, „feine Küche mit weniger „Etepetete“ sehr begrüssen. Aber: Auch wenn es etwas weniger formell sein sollte, sollte man als Gast nach drei Gängen mit Fisch, und dem Wechsel Richtung Fleisch, nicht nach einem neuen Teller verlangen müssen – das sollte für Küche und Service selbstverständlich sein. Zumindest die Frage, ob ein neuer Teller gewünscht ist, würde zum Preis-Niveau passen. Fraglich scheint mir auch, ob der Service dem Anspruch der Küche gerecht wird. Abgesehen von der Frage mit dem Huhn wurde uns vom Service eine falsche Auskunft bezügl. des Dessert gegeben (da wir keine Karte hatten, fragten wir nach der Frucht beim Pfirsich Melba welche vom Service als „Pflaume“ ausgegeben wurde). In guten Restaurants bespricht die Küche mit dem Service das Angebot, damit der Service auch eine richtige Auskunft auf Nachfragen geben kann.

Eine Bereicherung für Konstanz

Die Brasserie Colette Tim Raue ist sicher eine Bereicherung für Konstanz. Dem Namen entsprechend sind die Preise eher sehr hoch angesiedelt – für die Nachbarn aus der Schweiz sicher ein Schnäppchen. Den 14 Punkte Gault Millau Punkten (die auf die Brasserie Collet Tim Raue Berlin beziehen) wird die Brasserie in Konstanz nach meiner Meinung noch nicht gerecht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden….

 

Brasserie Colette Tim Raue

Brasserie Colette Tim Raue

Brasserie Colette Tim Raue

Brasserie Colette Tim Raue

Brasserie Colette Tim Raue

Brasserie Colette Tim Raue

Brasserie Colette Tim Raue

Brasserie Colette Tim Raue

Brasserie Colette Tim Raue

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