Wein vom Bodensee Eine Entdeckungsreise für Kenner

Schon früh kamen Weinreben mit den Römern an den Bodensee. Aber eigentlich war das Klima am Bodensee für den Weinbau nicht sehr geeignet. Das feuchtkalte Wetter, vor allem im Herbst, sorgte immer wieder für Krankheiten bei den Pflanzen. Im 16. Jhd. wurde es dann noch kälter – mehrmals gefror der Bodensee im Winter zu und die Kälte vernichtete die Reben. Ein weiterer Faktor für den Niedergang des Weinbaus war die Veränderung des Geschmacks. Die Seeweine waren recht sauer und konnten nur mit dem Zusatz von Honig oder Zucker genießbar gemacht werden.

wein bodensee

1731 wurde geschrieben, dass man Seeweine nur getrunken habe, weil es keinen anderen gab. In einer Chronik von 1791 steht, dass der abscheulich saure Seewein nur deshalb konsumiert werde, weil die importierten Weine zu teuer seien. Erst mit dem Anbau neuer Rebsorten hat sich der schlechte Ruf des Seeweins verändert.  Im 19. Jhd. kamen zum Silvaner und Weißherbst der Riesling, Elbling, Burgunder und Muskateller dazu. Aber zu dieser Zeit wurde auch die Reblaus aus Amerika eingeschleppt und zerstörte zahlreiche Reben.

Müller-Thurgau – eine Rebsorte erobert die Region

Der eigentliche Durchbruch für den Weinbau am Bodensee kam mit dem Müller-Thurgau. Gezüchtet wurde die Rebe vom schweizer Professor Hermann Müller an der Forschungsanstalt Geisenheim. Müller meinte, dass er eine Kreuzung zwischen Riesling und Silvaner gezüchtet hatte, war sich selbst aber nicht so sicher. Erst durch gentechnische Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass es sich bei der Rebsorte um eine Kreuzung aus Rieslingen und Madeleine Royale handelt. Müller sendete 200 Stecklinge in die Schweiz, wo die Rebe am Bodensee angebaut wurde.

In Deutschland wurde der Müller-Thurgau lange Zeit ignoriert. Albert Röhrenbach aus Immenstaad musste die Rebe aus der Schweiz nach Deutschland schmuggeln, um sie am deutschen Bodenseeufer zu verbreiten. Der Müller-Thurgau hatte dann schnell großen Erfolg am Bodensee da hier die Bedingungen für diese Rebe ideal sind. Leider wurde damals, wie so oft, sehr auf Quantität anstatt auf Qualität gesetzt.

Aufricht – einer der „jungen wilden“ Weinbauern die neuen Schwung an den Bodensee brachten

Die neuen Weinbauern

Es waren vor allem die jungen Weinbauern, die Ende des 20. Jhd. mit neuen Ideen kamen und mehr auf Qualität anstatt auf Quantität setzten. Nicht nur dem Müller-Thurgau verhalfen sie dadurch zu neuer Qualität. Sie experimentierten auch mit Weißburgunder, Spätburgunder, Blanc-De-Noir u.a.

Namen wie Aufricht, Röhrenbach oder Weingut Haug und andere sind heute mit Ihren Weinen weit über die Landesgrenzen bekannt und wurden mehrfach ausgezeichnet.

Der Bodensee-Urlauber sollte unbedingt einen Besuch auf einem oder mehreren Weingütern in seinem Urlaub einplanen und den „neuen“ Bodensee-Wein verkosten.

 

Allein einerseits die oben erwähnte Neigung der gewöhnlichen Weingärtner, nur eine große Quantität von Wein auf Kosten der Qualität zu erzeugen, andererseits die Leichtigkeit des Absatzes der geringeren Weine, welchen nicht nur der starke Hausbrauch in den benachbarten, zum Theil stark bevölkerten Städten, sondern auch die Lage der fraglichen Gegend der Gränze des würtembergischen Weinbaues gegen die vorliegenden weinarmen Alp-, Donau-, und Schwarzwaldbezirke begünstigt, mag in der Folge Veranlassung gegeben haben, die Anpflanzung edlerer Rebsorten zu verlassen, um durch möglichst enge Bestockung mit geringeren, aber sehr ergiebigen Weintrauenarten dem Weinbau den größtmöglichen Ertrag ohne Rücksicht auf die Qualität der Weine abzugewinnen.

Über den Weinbau am Bodensee, Hofdomänenrat v. Gok, 2. Auflage 1854

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