Alemannisch – der Dialekt am Bodensee

Ein Konstanzer, ein Schwabe und ein norddeutscher stehen in Konstanz am Bahnhof und warten auf den Zug. Der Konstanzer versucht mit dem norddeutschen das Gespräch aufzunehmen. „So, sind se z’Züri gsi?“. Der norddeutsche schaut verdutzt. Darauf der Konstanzer etwas lauter: „ob se z’Züri gsi sind?“. Darauf mischt sich der Schwabe ein und meint zum norddeutschen: „der moint doch gwäh“.

Ja, mit dem alemannischen Dialekt ist das nicht so einfach und wie man am Wort „gewesen“ (gsi) sieht, unterscheidet dieser sich deutlich vom schwäbischen Dialekt. Wegen des Wortes „gsi“ (gewesen) werden die Vorarlberger vom übrigen Österreich auch oft etwas abwertend „Gsiberger“ genannt. Am Höchsten gibt es den schwäbisch-alemannischen Mundartweg. Hier in etwa ist die Sprachgrenze zwischen dem alemannischen und dem schwäbischen Dialekt. Südlich wird alemannisch und nördlich schwäbisch gesprochen.

Der Bodensee ist weitgehend alemannischer Sprachraum. Nur im Bereich zwischen Friedrichshafen und Lindau drückt etwas der schwäbische Dialekt aus der Region Oberschwaben in die Bodenseeregion hinein. Auch das Schweizerdeutsch in der Bodenseeregion ist, wie auch im Wallis, ursprünglich ein alemannischer Dialekt. Dies entdeckt man schnell bei verschiedenen Wörtern wie zum Beispiel „Chriesi“ für Kirschen.

Da als Obersprache aber das Hochdeutsch (Schriftdeutsch) im alemannischen Sprachraum verbreitet ist, geht in vielen Regionen der alemannische Dialekt auch etwas verloren. Die „Muettersproch-Gsellschaft“ ist ein Verein, der aus einem Arbeitskreis in den 60er Jahren entstand und sich dem Erhalt des alemannischen Dialekts verschrieben hat. Von dieser gibt es auch den schönen Aufkleber für das Auto „Bi uns cha ma au alemannisch schwätze“.

Vor allem in den kleineren Ortschaften um den Bodensee und im Hegau, Linzgau und Vorarlbergs und von den älteren Menschen wird noch stark der alemannische Dialekt gesprochen. Interessant ist es auf dem Wochenmarkt, wenn die Bauern ihre Produkte verkaufen und ä weng g’schwätzt wird.

Selbst wenn einigermaßen Hochdeutsch gesprochen wird, an einer Stelle kommen viele Urlauber ins Grübeln: Wenn zum Beispiel gesagt wird „es ist jetzt Viertelvier“. Damit ist dann 15.15 Uhr oder viertel nach drei gemeint.

Die Buchstabenkombination „st“ wird in der Regel „scht“ gesprochen – also „Konschtanz“ und nicht „Konstanz“ oder „Gäscht“ und nicht „Gäste“.

Hier einige Beispiele und Übersetzungen:

Wochentage

Montag Mentig
Dienstag Zyschtig
Mittwoch Mittwuch
Donnerstag Dunschtig
Freitag Friitig
Samstag Samschtig
Sonntag Sunntig

Essen und Trinken:

Apfelsaft (vergorener) Moscht
Kartoffel Herdöpfel
Kartoffelbrei Herdöpfelstock
Birnen Birre
Kirschen d Chriesi
Eis Ys
Sahne Rahm
0,5 Bier e halbe

Weiteres:

An Fasnacht verkleidete Person Mäschgerle
Schlaganfall Schlägle
ein wenig ä bitzle oder  ä weng
Birnen Birre
Etwas, was nichts taugt ä Glump
Lutscher Schlotzer
Zweites Frühstück z’Nüne
Wie bitte? hä?

Ein typisches Bauerngericht aus dem Thurgau ist zum Beispiel Birre und Stock (Birnen und Kartoffelbrei). Das Rezept dazu gibt es dann ein anderes Mal.

Weitere interessante Links:
Wikipedia auf alemannisch

Landeskunde Baden-Württemberg